|
Das Wittelsbacher-Gymnasium
und seine Geschichte
Im Heft 25 der „Neuhauser Werkstatt-Nachrichten“ haben wir darüber berichtet, wie das Wittelsbacher-Gymnasium die eigene Schulgeschichte in seiner Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum verfälschte und dies auch ins Internet stellte. Seitdem versucht die Geschichtswerkstatt, die Schule dazu zu bewegen, diesen skandalösen Vorfall zu bereinigen und richtig zu stellen.
Den aktuellen Stand zu dieser Auseinandersetzung wollen wir unseren Mitgliedern und Lesern sowie der interessierten Öffentlichkeit nicht vorenthalten.
Hier noch einmal kurz zusammengefasst, um was es eigentlich geht: In der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Schule im Jahr 2008 ist ein Beitrag „Das Wittelsbacher-Gymnasium in der NS-Zeit“ enthalten, der aus Passagen einer Facharbeit besteht, die eine Schülerin der Schule angefertigt und den die Schulleitung in die Festschrift aufgenommen hat.
Grundlage für diesen Text war das Buch „Ein Münchner Gymnasium in der NS-Zeit – Die verdrängten Jahre des Wittelsbacher-Gymnasiums“ von Walther Habersetzer, das im Jahr 1997 von der Geschichtswerkstatt Neuhausen herausgegeben wurde. Aus diesem Werk bediente sich die Verfasserin - ohne Quellen- und Zitatangaben - ziemlich ungeniert. Das ist zwar ärgerlich, wäre jedoch noch zu ertragen gewesen.
Im Unterabschnitt „Das politische Verhalten der Lehrer im Nationalsozialismus“ verließ die Verfasserin den „sicheren Hafen“ des Habersetzer-Buches, und genau hier beginnt die Falschdarstellung: Im Text der Schule ist zu lesen, dass der Oberstudienrat Karl Ritter von Lama als ausgewiesener Nazigegner 1944 im Gefängnis Stadelheim ermordet wurde.
An diesem Text stimmt alles, außer dem Vornamen dieses Naziopfers. Es handelte sich dabei um Friedrich Ritter von Lama, einen katholischen Journalisten und Schriftsteller, der mit dem Wittelsbacher-Gymnasium absolut nichts zu tun hatte.
An der Schule war der Oberstudienrat Karl Ritter von Lama tätig, der 1938 zwangspensioniert wurde, weil er von 12 Schülern des Wittelsbacher-Gymnasiums beim Kultusministerium denunziert worden war, da er sich im Unterricht kritisch über das Dritte Reich geäußert hatte.
Auf den ersten Blick könnte man an eine Namensverwechslung glauben. Dies ist aber nicht der Fall, weil im Habersetzer-Buch – aus dem in der Festschrift reichlich zitiert wird - ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass Friedrich von Lama absolut nichts mit Karl von Lama zu tun hat.
Zwei Jahre stand dieser Text auch im Internet, bis Walther Habersetzer es bemerkte und darauf bestand, ihn zu löschen, was im Herbst 2010 auch geschah.
Das Ganze wird seitens der Schule und des Elternbeirates als „Missverständnis“ abgetan. Deshalb weigert sich die Schulleitung bis heute, öffentlich zu erklären, dass der in der Festschrift abgedruckte Text historisch falsch ist. Der Schulleiter sieht sich „weder veranlasst noch verpflichtet“ eine Richtigstellung abzugeben. Als über diese Angelegenheit in der „Süddeutschen Zeitung“, im „Münchner Merkur“ und in der örtlichen Neuhauser Stadtteilpresse berichtet wurde, erklärte der Schulleiter: „Ich möchte dazu nichts mehr sagen.“
Wir werden diesen Sachverhalt hier solange darstellen, bis die Schule die von uns geforderte Richtigstellung abgibt.
Geschichtswerkstatt Neuhausen e.V.
im August 2011
|